BEGRIFFLICHKEITEN!

Die deutsche Sprache ist in ihrer ursprünglichen Form eigentlich recht exakt. Daher werden wir stets versuchen Anglizismen oder eingedeutschte Begriffe, die in ihrer Verwendung nicht sehr genau sind, zu vermeiden. Dies mag an der ein oder anderen Stelle vielleicht nicht unbedingt „politisch korrekt“ sein, aber um einen Sachverhalt eindeutig klären zu können ist dies manchmal eben notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden. Denn ich bin der Überzeugung, dass viele Unstimmigkeiten schlicht und ergreifend auf eben solchen beruhen.

Viele Worte verloren durch die Verstümmelung der deutschen Sprache ihre ursprüngliche Bedeutung, wurden für andere Begriffe verwendet oder wurden im Laufe der Jahre mit einer Wertung belegt. So ist das Bild, dass einem in den Kopf kommt, wenn man von einer Hausfrau spricht, zwar das gleiche wie vor 30 Jahren, ihre Rolle und ihre Bedeutung haben sich in der Auffassung der Gesellschaft aber dramatisch verändert. Früher war sie die Frau, die einen Großteil der Erziehung der Kinder übernahm, die dem Mann den Rücken frei hielt, damit er arbeiten konnte, die sich oftmals auch um Großmutter und Großvater kümmerte, die sämtliche Erledigungen übernahm und dafür sorgte, dass sich alle zuhause wohl fühlten. Heute wird in einer Hausfrau eher nur die Person gesehen, die in einer Partnerschaft halt nicht zum Arbeiten geht. Es wird von der Gesellschaft mittlerweile eher akzeptiert, wenn die Kinder von KITAs und Tagesmüttern groß gezogen werden, während beide Eltern für das Einkommen sorgen, als wenn eine Frau die wichtigste Aufgabe innerhalb der Familie gewissenhaft übernimmt.

Bevor das Wort „Begriff“ im Sprachgebrauch auftauchte gab es das Verb „begreifen“, was so viel wie „erfassen“ bedeutet. Das heißt einen Zusammenhang eindeutig darzulegen. Also ist es Aufgabe des Begriffes einem Gegenstand, Zusammenhang und so weiter eine eindeutige Bedeutung zuzuordnen – ohne Wertung. Für eine Wertung gibt es Adverbien.

Ein aktuelles Beispiel ist die so genannte „Flüchtlingskrise“. In dem Sammelbegriff „Flüchtlinge“ werden jedoch mehrere Gruppen zusammengefasst, die unterschiedlichste Motivationen haben. Wenden wir uns also einfach mal den einzelnen Gruppen zu:

  1. Flüchtlinge: Flüchtlinge fliehen vor etwas ohne konkrete persönliche Bedrohung. Vor Krieg, vor Armut, vor Strafverfolgung etc. Eine Flucht ist jedoch vorüber, wenn ich den Einzugsbereich dessen, vor was ich fliehe verlassen habe.

  2. Vertriebene: Vertriebene werden in ihrer Heimat konkret und persönlich, auch mit Androhung und Anwendung von Gewalt, angegriffen. Auch diese Gruppe ist sicher, sobald sie den Einzugsbereich der Vertreibenden verlassen haben.

  3. Asylant: Ein Asylant ist jemand der konkret und persönlich in seiner Heimat verfolgt wird. Dies kann aus politischen, ethnischen oder ideologischen Gründen sein. Aus diesen Gründen versuchen bedrohte Bevölkerungsgruppen, die meistens eine Minderheit bilden oder gar nur Einzelpersonen sind, ihre Heimat zu verlassen und bekommen dann in den Ländern, die bereit sind sie aufzunehmen, Asyl.

  4. Migranten: Migranten verlassen ihre Heimat (auch in Friedenszeiten und ohne Verfolgung), um sich woanders anzusiedeln. Man könnte sie auch einfach nur Auswanderer nennen.

  5. Zuwanderer: Zuwanderer haben ein konkretes Ziel vor Augen. Sie wollen zu einer besseren Zukunft in einer bestimmten Destination wandern. Ob das ein besserer Arbeitsmarkt, ein Familiennachzug, ein besseres Sozialsystem oder einfach eine andere Mentalität ist, sei mal dahingestellt.

Warum ist das denn nun so wichtig? Viele Menschen liegen sich wegen diesem Thema derzeit in den Haaren, Risse gehen durch Familien- und Freundeskreise. Und oft denke ich, klar, ihr redet auch von zwei komplett unterschiedlichen Sachen.

Während Flüchtlinge, Verfolgte und Asylanten selbstverständlich Schutz und Ruhe verdienen, kann man von Migranten und Zuwanderern sehr wohl Eigenverantwortung erwarten. Von allen Gruppen kann man jedoch fordern, dass sie sich den örtlichen und recht liberalen Grundsätzen anpassen und unterordnen. Menschen, die ihr Gastgeberland nicht respektieren oder sogar kriminell werden, sollte man meiner Meinung nach auch dementsprechend behandeln.

Besonders Migranten und Zuwanderer suchen sich ein besonderes Ziel aus, weil genau dieses Ziel für etwas Bestimmtes und ganz besonderes steht. Wenn jemand die USA wegen ihrem „Way-of-Life“ als Ziel seiner Auswanderung wählt, muss er alle Pflichten akzeptieren um auch in den Genuss der Rechte zu kommen. Denn ohne exakt diese Rechte und Pflichten wäre eben genau dieser Way-of-Life nicht möglich und dann würde er sich die Vereinigten Staaten vermutlich auch nicht als Wunschziel aussuchen.

Wenn wir bei Nennung eines Begriffes nicht die selbe Assoziation haben, wird eine eindeutige Verständigung schwierig. Wenn ich zum Beispiel „Baum“ sage, denkt der eine an einen Laub- der andere an einen Nadelbaum. Beides ist richtig und falsch zugleich. Natürlich sind beides Bäume, ich meinte aber den Oberbegriff Baum, der beide Sorten beinhaltet.

Ich denke, es ist klar worauf ich raus möchte.

Wir müssen in unserer Sprache wieder genauer werden, um Missverständnisse zu vermeiden und besser miteinander kommunizieren, damit wir uns richtig verstehen. Besonders im Gespräch mit Menschen die uns persönlich, unseren Charakter und unsere Mentalität nicht kennen, sollten wir eindeutige Begriffe verwenden um nicht aneinander vorbei zu reden und uns wegen Begrifflichkeiten zu streiten. Meinungen sollten klar formuliert sein, damit man sie richtig bewerten kann.

Viele Leute versuchen möglichst viele Fremdworte in ein Gespräch einzustreuen, um als intelligent angesehen zu werden. Dass sie selbst teilweise die richtige oder erweiterte Bedeutung gar nicht kennen oder ihr Gegenüber manche Begriffe nicht richtig versteht, nehmen sie billigend in Kauf. Nicht richtiges Verständnis oder sogar Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Die Sprache ist neben der Schrift die größte Errungenschaft des Menschen; dank ihr können komplexe Zusammenhänge gelernt, überliefert und Geschichten weitergegeben werden. Wenn man Begriffe in ihrer Bedeutung ändert, anderen Worten zuordnet oder ihnen eine Wertung gibt, verändert sich gegebenenfalls die ursprüngliche Aussage.

Wir sollten uns wieder mehr auf eine korrekte Anwendung unserer Sprache besinnen und in unserer Formulierung exakter werden, um Missverständnissen entgegenzuwirken. Obwohl ich zum Beispiel recht gut Englisch verstehe und spreche, gehen mir die Anglizismen so ein bisschen gegen den Strich. Unter anderem auch, weil es so eine Modeerscheinung ist. Viele, die mit Anglizismen nur so um sich werfen, bekommen keinen kompletten und korrekten Satz auf Englisch hin. Und dann haben im Englischen sehr viele Worte eine Doppel- oder gar Mehrfachbedeutung. Dies macht eine eindeutige Kommunikation, besonders wenn man kein Muttersprachler ist, nicht einfacher. Auch wurde besonders die ursprüngliche englische Sprache in den letzten Jahrhunderten von Latinismen erobert. Viele alte englische Wörter werden nicht mehr verwendet und sind jüngeren Menschen gänzlich unbekannt. Dies hat zur Folge, dass alte Bücher nicht mehr richtig verstanden werden und daher oftmals gar nicht gelesen.

Unsere Sprache ist Teil unserer Kultur. Wenn wir auch in Zukunft unsere Botschaft unmissverständlich transportieren und verstehen wollen, müssen wir darauf achten, unsere Sprache zu pflegen und stets korrekt anzuwenden. Denn auch unsere Sprache ist Ziel des Manipulationskrieges, denn es werden Wörtern neue, oftmals exakt gegensätzliche Bedeutungen angedichtet, als sie sie im Ursprung hatten. Auf dieses Thema der sogenannten „Spiegelungen“ werde ich in einem anderen Artikel genauer eingehen.

Wir müssen unsere Sprache bewahren und erhalten, sonst kann es durchaus sein, dass in wenigen Jahren der Begriff der „Hausfrau“ zum Schimpfwort verkommen ist.

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