BIO

Wir alle kennen die Bio-Siegel auf den Obst- und Gemüsesorten, wenn wir durch den Supermarkt gehen. Habt ihr euch nicht auch schon mal gefragt, warum das natürlichste der Welt, nämlich aus ökologischer Landwirtschaft gewonnener Ertrag mit „Bio“ gekennzeichnet wird? Warum steht nicht auf der restlichen Auswahl „chemisch behandelt“, „enthält künstliche Zusatzstoffe“ oder „mit Gentechnik“? Und das auf einem ebenso großen und auffälligen Aufkleber?

Das wirklich Schlimme daran ist jedoch die Tatsache, dass sich Betriebe, die die Voraussetzung biologischer Landwirtschaft erfüllen, für dieses Gütezeichen zuerst kostenpflichtig zertifizieren lassen und dann jährlich weitere Kosten für die Kontrollen aufwenden müssen.

Im Gegenzug dazu wird in den Verhandlungen zu den ganzen Freihandelsabkommen darüber diskutiert, ob es verpflichtend sein soll, dass genmanipulierte, hormonbehandelte und auf übelste Weise hergestellte Nahrungsmittel überhaupt gekennzeichnet werden müssen. Man stellte sogar die Überlegungen an, jegliche Liste an Inhaltsstoffen von den Verpackungen zu nehmen; diese könne man dann über eine App, wenn man den Artikel mit dem Smartphone scanne, abrufen.

In hektischen Zeiten wie diesen, wo der Einkauf schnell gehen muss, kann ich mir kaum vorstellen, dass jemand auf lange Sicht jeden Artikel, der bei ihm im Einkaufswagen landet, scannt um herauszufinden, wie viel Fett oder Zucker drin steckt. Dies hat natürlich den Vorteil, dass die Konzerne irgendwann die Rezeptur ändern oder komplett auf GMO-Zutaten ausweichen können und kaum jemandem würde es auffallen.

Dem kleinen, gewissenhaften Bauer wird das Leben also wieder mal ein bisschen schwerer gemacht, sich dem Preiskampf mit den Großkonzernen zu stellen und er gerät dabei immer mehr unter Handlungszwang. Entweder er verzichtet auf das Zertifikat, dann fehlt ihm jedoch der Marketingeffekt, den ein solches Siegel hat, oder aber er nimmt die Gebühren in Kauf und muss entweder den Preis erhöhen oder verzichtet auf Gewinn. Was das für einen Betrieb bedeutet, der schon trotz Subventionen kaum überleben kann, kann sich jeder selbst ausmalen.

So wird der regionale Produzent quasi schon genötigt eine Zwangsabgabe dafür zu entrichten, dass er eine gute und richtige Arbeit leistet.

Ganz zu schweigen davon, dass Landwirte oder Konzerne für ihre nicht nachhaltige und zum Teil ökologisch desaströse Nahrungsmittelproduktion Gebühren, Entschädigungen oder sogar Strafzahlungen entrichten müssen. Deren Gewinnung nennt man dann verharmlosend „konventionelle Landwirtschaft“.

 

Und wo „Bio“ draufsteht ist nicht zwangsläufig Bio drin…

Laut Beschreibung dürfen bis zu dem Grenzwert von weniger als einem Prozent Lebensmittel gentechnisch verändert sein. Wie machen die das? Ist jetzt an jedem Baum jeder hundertste Apfel im Labor hergestellt? Oder füttern die nur jedem hundertsten Schwein Genfutter? Natürlich nicht. Gehen wir aber davon aus, 99 Bio-Bauern bringen je einen großen Anhänger voll Äpfel zum Apfelsaft pressen. Dann kommt der hundertste Bauer, der einen Anhänger von seinem konventionellen Betrieb anliefert – dann ist es immer noch Bio-Saft.

Ich sags mal so: wenn ich 99 Liter hervorragenden Wein habe und ich leere einen Liter Gülle dazu, dann habe ich hundert Liter Gülle!!

Was soll überhaupt dieses Geschwafel von „Grenzwerten“? Während man in den 80ern noch sagte „die Folgen von 20 mg eines Stoffes pro Liter Trinkwasser sind nicht abzusehen“ , so sagt man uns heute „die Grenzwerte sind mittlerweile bei 30 mg, ist aber nicht so schlimm, denn bis 40 mg pro Liter ist das Ganze unbedenklich“.

Unbedenklich… Frei dem Motto: Die Dosis macht das Gift.

Entweder ich kanns pur saufen und es ist nicht schädlich, oder nicht!!

Auch werden die Grenzwerte ja permanent erhöht; die Wissenschaft erfreut uns doch regelmäßig mit ihren Unbedenklichkeitsstudien. Da fühlt man sich auch gleich viel besser und macht sich über seinen Lebenswandel und was man in sich rein stopft keinen Kopf mehr. Obwohl eigentlich bei jedem, wenn das Wort „Grenzwert“ fällt, sämtliche Alarmglocken schrillen sollten. Das sagt nämlich wieder sehr verharmlosend nichts anderes aus als: Soweit haben wir es also schon gebracht!! Ein Grenzwert bedeutet nämlich grenzwertig; so versteht man es, hoffe ich, besser.

Der mit einem Prozent tolerierte Grenzwert schließt natürlich etwaige Verunreinigungen durch Pollen genmanipulierter Pflanzen oder Rückstände von so genannten Pflanzen-schutz(?)-mitteln mit ein, die man im Allgemeinen schon nicht mehr ausschließen kann. Wenn bereits ca. 94% der Landwirte Pestizide und Herbizide ausbringen, die dank immer weiter steigender Resistenzen bei Schädlingen immer uneffektiver werden, können wir ahnen worauf das hinausläuft. In den USA sind große Ackerflächen wegen so genannter „Super-Weeds“ (Superunkräuter) mittlerweile nicht mehr zu bewirtschaften. Auch der Rückgang der Bienenpopulation, und der anderer nützlicher Insekten, wurde ohne drastisches Entgegensteuern schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Ob sich dort die Natur jemals wieder von dem ungezügelten Ausbringen schädlicher Chemikalien erholen wird, oder ob ihr gar wieder eine Ernte abzuringen sein wird, steht in den Sternen.

Und wenn einige dieser Landwirte mit Gensorten versuchen ihren Ertrag zu steigern, sind die Folgen weder kurz-, noch mittel-, ganz zu schweigen von langfristig abzusehen. Welche Auswirkungen wird es auf die Natur und auf uns Menschen geben? Wenn wir bereits jetzt „Verunreinigungen“ nicht mehr ausschließen können, kann es dann nicht sein dass, wenn wir uns unsere Fehler eingestehen müssen, es keinen Weg zurück mehr gibt? Selbst wenn wir es wollten?

 

Heutzutage, wo kaum jemand mehr seine eigenen Nahrungsmittel anbaut, sind die Bauern mitunter die wichtigsten Menschen, denn sie sichern unser Überleben. Wir haben diesen Teil der Eigenverantwortung weit weg von uns geschoben. So sehen wir die Konsequenzen unseres Handelns nicht und können im schlimmsten Fall die Schuld bei den Landwirten suchen, wenn uns dann die Folgen erreichen. Das ist der einfache Weg.

Die Wahrheit ist jedoch, dass niemand außer uns selbst verantwortlich für unser Tun und die damit verbundenen Auswirkungen ist. Mit jedem Kassenbon tragen wir einen Teil zu unserer auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage basierenden Auswahl in den Geschäften bei. Wenn wir keine gespritzten Äpfel kaufen, werden sie über kurz oder lang aus dem Sortiment verschwinden. Wir müssen dann aber auch so konsequent sein, dass wir sie, egal wie billig sie man uns anbietet und egal wie schmackhaft sie auch sein mögen, in den Obstkisten liegen lassen. Auch dann, wenn sie dank Grenzwerterhöhung wieder „Bio“ sind…

Euren regionalen Nahrungsmittelproduzenten könnt ihr persönlich kontrollieren. Zum Beispiel sieht man schnell ob ein Hühnerhof auch wirklich frei laufende Hühner hat oder nicht. Redet mit ihm, stellt Fragen und äußert euren Wunsch nach unveränderten Lebensmitteln. Bildet Einkaufsgemeinschaften und kauft nach Möglichkeit direkt bei ihm – dann verdient er auch mal ein bisschen was. Dann ist es ein Handel, bei dem alle Beteiligten gewinnen, denn jetzt profitieren doch nur die Konzerne….

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