DIE SPALTUNG DER GESELLSCHAFT

Vor kurzem habe ich ein Statement gelesen, das würdig ist, etwas genauer analysiert zu werden: Die AfD spalte die Gesellschaft.

Das ist vollkommener Blödsinn!

Eine Gesellschaft ist von Natur aus gespalten, da jeder Mensch unterschiedlich denkt, unterschiedliche Vorlieben, unterschiedliche Meinungen und unterschiedliche Wünsche hat. So lange auf alle Bedürfnisse eingegangen wird oder alle Seiten das Gefühl haben, einen echten Kompromiss, also dass alle Beteiligten von ihrer Utopie abweichen müssen, einzugehen, wird eine Spaltung nicht in dem Maße stattfinden, wie sie es derzeit tut.

Nehmen wir als Beispiel Veganer und Fleischesser. Solange beide Seiten bekommen was sie wollen, wird es keinen Konflikt mit Beteiligung der Mehrheit geben. Es werden hin und wieder natürlich militante Vertreter beider Ideologien aufeinanderprallen, was zu heftigem Streit führen kann, aber die Mehrheit wird friedlich miteinander leben. Es besteht sogar die Möglichkeit eines offenen Diskurses, der Für und Wieder beider Überzeugungen gegeneinander abwägt und vielleicht den ein oder anderen Vertreter einer Seite sogar zum Ändern seiner Lebensgewohnheiten animiert.

Erst wenn, zum Beispiel per Gesetz, eine Seite benachteiligt wird, wird die bereits bestehende „Spaltung“ zu einem öffentlichen Problem, da berechtigterweise die Frage entsteht, warum man einen Teil der Bevölkerung bevormundet und ihn vom Ausleben seines freien Willens abhält. Es ist für die Benachteiligten sogar nahe liegend, ihre Kritik auf die Straße und damit in das Gehör der Öffentlichkeit zu tragen, da ihnen definitiv ein Unrecht widerfährt.

Nehmen wir an, in diesem Beispiel wäre der Verzehr von Fleisch per Gesetz ab sofort verboten und es würde sich daraufhin eine Partei für Fleischesser bilden. Ist diese dann verantwortlich für die Spaltung der Gesellschaft? Ist sie dafür verantwortlich, dass die Menschen für ihre Bedürfnisse demonstrieren gehen?

Natürlich nicht!

Die Gesellschaft war vorher schon gespalten, nur hat die Partei, die das Gesetz zur Ungleichbehandlung erlassen hat, eine Gruppe benachteiligt, damit die Emotionen hoch kochen lassen und erst die Basis für die Notwendigkeit eines Protestes geschaffen.

Und da leider viele Menschen, sogar die meisten Menschen, Etatisten sind, also an die Rechtmäßigkeit eines Regierungskonstruktes glauben, wird es zwei Gruppen geben:

  1. Die, die glauben im Recht zu sein, weil ein Gesetz ihr Handeln legitimiert und gut heißt.

  2. Die, die in der Auffassung der ersten Gruppe kein Recht haben, weil das Gesetz deren Bedürfnisse als nicht legitim deklariert.

Die zweite Gruppe würde in der heutigen Zeit vermutlich als „Veganophobe“ bezeichnet werden, um ein klares Feindbild mit einer bereits abfälligen Bezeichnung zu kreieren.

Je mehr man diese Spaltung medial und politisch anfachen würde, desto eher sind beide Gruppen bereit für ihre Überzeugungen einzustehen und ihre Überzeugung auch militant, also gewalttätig, zu verteidigen.

Jedoch gibt es in diesem Beispiel auch eine dritte Gruppe, sogar die wichtigste Gruppe…

…nämlich die Autorität, die das Gesetz erlassen und damit den Konflikt angefacht hat.

Den meisten Menschen wäre diese Gruppe gar nicht in den Sinn gekommen, beziehungsweise hätten sie als irrelevant abgetan – besonders die, die sich durch das Gesetz in ihrem Handeln bestätigt fühlen würden, in diesem Beispiel die Veganer.

Die Fleischesser hätten sich von Anfang an gefragt, mit welchem Recht man ihnen ihren Speiseplan verbieten könne. Allerdings hätte man über Anfeindungen aus der Veganer-Szene und eine politisch-mediale Verwirrungstaktik den Fokus schnell auf die andere Gruppe lenken und so den wahren Verursacher für den Konflikt verschleiern können. Reportagen über die durch Fleischkonsum verursachten Schäden an Umwelt und dem eigenen Körper hätten viele in Selbstzweifel führen können und sie dann sogar zum Wechsel auf die Gegenseite bewegt. Diese Zweifler sind in der Regel eher meinungsschwache Menschen und sie würden sich sogar zu den überzeugtesten und vehementesten Vertretern ihrer neuen Gesinnung wandeln.

Es fühlt sich schließlich so gut an, auf der Seite der Guten zu stehen!

In diesem Beispiel haben wir nun zwei offensichtliche Gegner. Was ist jedoch mit den Vegetariern? Diese dritte Gruppe könnte den Diskurs erschweren, da sie aus beiden Überzeugungen den Mittelweg darstellt und mit den beiden anderen Parteien streiten würde. Allerdings könnte sie den Streit auch mindern, weil sie sowohl Gegenstimme als auch Fürsprecher für beide Wege ist – ich möchte es die „vernünftige Mitte“ nennen. Die Gruppe der Vegetarier könnte sogar als Bindeglied zwischen den beiden unterschiedlichen Auffassungen fungieren und vermitteln.

Wenn nun oben genannte Partei das Ziel hat, die Gesellschaft zu spalten, ist dann das Zustandekommenlassen einer dritten Gruppe sinnvoll oder nicht?

Der Gesetzmäßigkeit des Dualismus folgend, ist es immer einfacher sich zwischen zwei, nach Möglichkeit konträren, Sinnesweisen zu entscheiden als sich mit einer Vielzahl von Wahlmöglichkeiten konfrontiert zu sehen. In jeder verkäuferischen Tätigkeit wird gelehrt, dass man am Ende einer Beratung die höchsten Abschlusschancen hat, wenn der Kunde nur noch zwischen „entweder“ und „oder“ entscheiden muss. Zuviel Auswahl verwirrt die meisten, der potentielle Käufer zögert oftmals und fällt gar keine Entscheidung, er muss es sich noch mal überlegen.

Schwarz oder weiß, rechts oder links beschreiben das duale Denken wohl am Besten.

Also würde eine dritte Gruppe entweder Verwirrung stiften, den Konflikt beruhigen oder ihn chaotisch und nicht mehr kontrollierbar machen. Es ist folglich nicht im Interesse der Unruhestifter, eine nicht kalkulierbare Kraft, einen Besänftiger oder eine „vernünftige Mitte“ in der Situation entstehen zu lassen.

„Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.“

Dieses alte Sprichwort umschreibt das Ziel des Teile-und-Herrsche-Spiel wohl am geeignetsten. Wie oben bereits erwähnt, wäre diese verursachende Gruppe gar nicht in den Blick der Streitenden gekommen, beziehungsweise man hätte sie schnell mit dem Gegner beschäftigt.

Und während sich die gegnerischen, gegeneinander aufgestachelten Gruppen bekämpfen, passiert dem Verursacher des Konfliktes – nichts.

Kommen wir zu dem Statement eingangs dieses Artikels. Spaltet die AfD also die Gesellschaft?

Und wieder heißt die Antwort: Natürlich nicht!

Die Gesellschaft ist in der sogenannten Flüchtlingskrise bereits gespalten. Schon vor dem Erstarken, ja sogar bereits vor der Gründung der AfD, gab es Fürsprecher und Gegner einer Zuwanderung. Solange diese in homöopathischen Dosen ablief wurde dieser Konflikt aber nicht in diesem Maße ausgetragen, da die Mehrheit der Menschen das Gefühl hatte, einen Kompromiss einzugehen: Den einen ging es nicht schnell genug, den anderen war die bisherige Zuwanderung bereits zu viel.

Nun werden die Gegner aber mit einer Entwicklung konfrontiert, die sie an der Rechtmäßigkeit, der Verhältnismäßigkeit, an den Absichten der Politiker und den daraus resultierenden Folgen zweifeln lässt. Sie fühlen sich, wie in obigem Beispiel, bevormundet, ignoriert und benachteiligt. Ihr Protest auf den Straßen bleibt ungehört und nun wählen sie eben die AfD in der Hoffnung, dass diese ihren Willen politisch umsetzen wird.

Also ist die AfD nicht verantwortlich für die Spaltung der Gesellschaft. Sie ist nur ein Sammelbecken für die, die glauben von der jetzigen Politik nicht wahrgenommen zu werden. Wenn man sich anschaut, dass die Wahlbeteiligung zugenommen hat und statistisch viele der Nicht-Wähler diese Partei wählten, kann man folgende logische Schlüsse ziehen:

  1. AfD-Wähler, die vorher Nicht-Wähler waren, haben sich durch die Altparteien vorher schon nicht mehr vertreten gefühlt.

  2. Es muss Wähler geben, die vorher andere Parteien wählten (besonders ist hier die Linke als bisherige einzige Alternative zu den Altparteien zu erwähnen), die sich schon vorher nicht vertreten fühlten, aber ihrer „demokratischen Pflicht zu Wählen“ nachgekommen sind.

  3. Es muss Menschen aus allen Parteien geben, die in der Migrationspolitik keine Alternative als die AfD sehen.

Also ist einzig und allein die Politik der Altparteien schuld daran, dass die im Volk seit eh und je bereits vorhandene Spaltung so dramatische Ausmaße angenommen hat.

Und wie wir auf den Straßen sehen können, hat das Divide-et-Impera sein Ziel wieder erreicht. Vermeintlich Rechte und Linke (die sie in Wahrheit gar nicht sind: siehe Politik-nochmal von Anfang an) gehen aufeinander los und die Initiatoren des Konfliktes können in Ruhe über ihren Plänen für die gesamte Bevölkerung grübeln.

PS: Ich sehe in der AfD genau das, was ich oben geschrieben habe, ein Sammelbecken für die, die sich nicht verstanden fühlen. Ich gehe davon aus, dass auch sie eine Systempartei ist, die eben diese Menschen weiterhin an das Parteiensystem binden und damit die Rechtmäßigkeit des Regierungskonstrukts aufrecht erhalten soll. In meinen Augen, speziell solange sie in der Opposition ist, dient sie einzig und allein dem Zweck Zeit zu gewinnen und den Zuwanderungskritikern Sand in die Augen zu streuen, damit diese sich nicht bei Demonstrationen einreihen oder andere systemgefährdende Maßnahmen ergreifen.

Ich glaube nicht an die Legitimation einer Regierung, und damit auch nicht an die von Parteien: Für mich ist es eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Aber noch darf man am Wahlsonntag auch was Schönes machen – und hey, vielleicht wäre das ja eine Alternative für Deutschland…

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