FREIHEIT

Jeder hat zu dem Thema Freiheit eine ganz individuelle Assoziation. Der eine denkt dabei an die Marlboro-Werbespots, die in meiner Jugend noch im Kino liefen, der andere fühlt Freiheit, wenn er mit 250 km/h über die Autobahn brettert. Für den einen bedeutet Freiheit, sich freizügig kleiden zu können und sich zu verwirklichen, der andere muss um die Welt reisen, um seinem Gefühl von Freiheit Ausdruck zu verleihen.

Aber was ist eigentlich echte Freiheit? Und sind wir wirklich frei?

Freiheit, meinem Verständnis nach, ist nicht, alles tun zu dürfen, was man will; denn dies würde gegebenenfalls die Freiheiten eines anderen einschränken, sondern nichts tun zu müssen, was man nicht tun möchte.
Dies beinhaltet aber im Gegenzug auch große Verantwortung – zumindest sich selbst gegenüber.
Wenn es wirkliche Freiheit geben soll, dann muss sie für alle gleich gelten.

Diese Beschreibung macht eindeutig klar, dass Freiheit ein Recht ist, das alle gleichermaßen innehaben.
Also ist Freiheit alles tun zu dürfen, was man will, solange es das Freiheitsrecht eines anderen nicht verletzt.
Dies bedeutet Freiheit auf Selbstbestimmung, das Recht auf Eigentum, das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.
Daher kann man das Prinzip von Freiheit gleichermaßen auch auf eine Regel, die goldene Regel, herunter brechen: „Das, was du nicht willst dass man dir tu, das füg´ auch keinem andren zu!“

„Das, was du nicht willst dass man dir tu, das füg´ auch keinem andren zu!“

Dieser einfache Grundgedanke würde sämtliche Regierungs- und Herrschaftsmodelle überflüssig machen, wenn sich alle daran halten.

Nachdem ich nun viel gelesen und auch viel gehört habe, musste ich sogar meinen Standpunkt zur Demokratie ändern. Auch dieses System ist ein Herrschaftssystem, wie auch die Monarchie und die Oligarchie. Es bestimmen zwar nicht nur einer oder wenige über die Mehrheit, aber die Mehrheit bestimmt über eine Minderheit und nimmt eben jener Minderheit die Freiheit.
Ganz klar, dass alle Menschen zeitgleich das für diesen Gedanken notwendige Bewusstsein erlangen, ist so gut wie ausgeschlossen. Aber es sollte ein mittel- bis langfristiges Ziel unserer Spezies sein und es wäre zu schaffen.
Demokratie, wahre Demokratie, sollte nicht das Ziel sein, aber wir benötigen ein probates System für die Übergangsphase zu unserem wirklichen Ziel: echte Anarchie, das Fehlen jeglichen Herrschaftssystems. Und für diesen Übergang wäre eine echte Demokratie, mit Abstimmungen auf regionaler Ebene, als am ehesten messbarer Ausdruck der Bevölkerung, akzeptabel.

Natürlich benötigen wir auch in der Anarchie Regeln. Auch wenn jeder in einer freien Welt das Recht hat, zum Beispiel Auto zu fahren, so benötigen wir trotzdem Richtlinien, die ein möglichst konfliktfreies Miteinander auf den Straßen gewährleisten. Auch benötigen wir einen besonderen Schutz der Kinder und Behinderten, um sie vor den negativen Angeboten in einem wirklich freien Markt zu schützen.
Und wir benötigen auch ein Strafverfolgungssystem, das Überschreitungen und Übergriffe ahndet. Dies sollte aber von den Betroffenen unter ausschließlich der Moderation einer „öffentlichen Stelle“, mit dem Zwecke der Wiedergutmachung, regional geführt werden.
Vor diesen Regeln haben alle, ohne Ausnahme, auch gleich behandelt zu werden, denn kein Mensch kann mehr wert sein als ein anderer, auch wenn uns das unsere Politiker und gewisse Branchen an der Höhe ihrer Gehälter glauben lassen wollen.

Jemand kann besser gebildet oder schöner sein, der eine kann gesünder als der andere sein, jemand kann fleißiger oder produktiver sein, aber niemand hat aufgrund seiner Geburt oder als pures Leben größeren oder geringeren Wert.
Wenn wir dies erkennen und dies auch achten, dürfte es kein Problem sein, die Freiheit der anderen anzuerkennen und auch unsere Freiheit, und die damit verbundene Verantwortung, anzunehmen.

Sind wir frei?

Natürlich nicht! Wie bereits angedeutet gelten in einem Freiheitssystem für alle die gleichen Regeln. Niemand hätte das Recht etwas zu tun, was ein anderer nicht darf.
Dies lässt sich am Besten an einem reduzierten Modell gut erklären: einer Welt mit nur zwei Bewohnern.
Mit welchem Recht dürfte der eine von dem anderen Steuern verlangen? Mit welchem Recht dürfte der eine dem anderen vorschreiben, was er essen, trinken, rauchen dürfte; woran er zu glauben hat und wo er hingehen darf und wohin nicht?
Natürlich hätte er kein Recht dazu! In einem Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende andauernden Prozess, wurde aber genau dieses Glaubenssystem an die Menschen kommuniziert. Dass es „bessere“ oder „klügere“ Menschen gibt, die eben genau diese Rechte haben und auch haben sollten. Und nicht nur das: sie gestehen sich im Rahmen ihrer eigenen Gesetze sogar eine Sonderstellung mittels Immunität oder besonderer Leistungen zu.
Wenn wir das Modell der wenig besiedelten Welt als richtig erachten, dann ist die Bevölkerungsgröße irrelevant. Niemand darf mehr Rechte haben und noch viel weniger, sich selbst geben.

Diese Situation, wie sie derzeit herrscht, haben die Generationen vor uns durch fehlenden Widerstand und ihre Zustimmung durch Wählen unterstützt. Mittlerweile ist die Klasse der „Besseren“ oder der „Klügeren“ zu einer Klasse der Reichen geworden, die mittels ihrer unschätzbaren Reichtümer in der Lage ist, ihre Sonderstellung mittels Privatarmeen und sonstiger Strukturen zu schützen. Sogar die Polizei und die Staatsarmeen, eigentlich Teile der Bevölkerung und deren Mittel Volkseigentum da steuerfinanziert, gehören zu eben diesen Strukturen, die den Machterhalt weniger Menschen mit Hilfe der Politik sichern.

Dies sind offensichtliche Zeichen eines neuen Faschismus; und dieser bedeutet absolute Freiheit ohne Verantwortung und Verpflichtung für wenige, Verpflichtung und Verantwortung ohne jegliche Freiheit für viele.
Und dies ist ein Zustand, der keinerlei Freiheit beinhaltet, sondern lediglich die Machtverhältnisse und die ungleiche Verteilung von Rechten spiegelt.

Schreibe einen Kommentar