GELEHRTES UND GELERNTES

Der Unterschied zwischen Gelerntem und Gelehrtem ist der Unterschied zwischen Wissen und Glauben.

Nur durch persönliche Erfahrung hat ein Mensch wahres Wissen. Alles, was ihm hingegen beigebracht wird, beruht zunächst einmal auf Glauben, und erst die persönliche Überprüfung dieser Dinge kann sie zu echtem Wissen machen.

Der Mensch ist von Natur aus äußerst wissbegierig. Schon als Säugling versucht er seine Umwelt mit allen Sinnen zu erforschen. Er folgt jeder Bewegung, hört gebannt auf jedes Geräusch, nimmt die Gerüche der Welt um ihn herum wahr, versucht alles in seiner Reichweite anzufassen, zu begreifen, um es sich dann in den Mund zu stecken, um es mit seinem letzten Sinn, dem Geschmack, vollständig zu analysieren.

All diese Geräusche, Gerüche, Geschmäcke, Bilder und Formen sind die ersten Eindrücke, die der junge Mensch bekommt. Sie basieren auf seiner persönlichen Erfahrung, sind daher gelernt und somit wahr.

Später dann, wenn er des Sprechens mächtig ist, bietet ihm diese Fähigkeit zwar die Möglichkeit auf das Wissen anderer zurückzugreifen, Dinge außerhalb seiner Reichweite zu hinterfragen, sich Zusammenhänge erklären zu lassen und diese auch zu verstehen, aber er gibt der Umwelt durch diese Form der Kommunikation auch die Möglichkeit, ihn zu belügen.

Das beste Beispiel hierfür ist wohl die Geschichte vom Storch, der die Babys bringt. Bei den Naturvölkern war und ist es völlig normal, ein Kleinkind beim Koitus und der neun Monate späteren Geburt anwesend sein zu lassen, da die räumlichen Bedingungen für eine Trennung weder vorhanden noch gewünscht sind.

In unserer Gesellschaft hingegen wird uns oft eine geschönte Geschichte, eine Verzerrung von Fakten erzählt, die wir dann jahrelang als Wahrheit akzeptieren, bis wir durch persönliche Erfahrung eines Besseren belehrt werden.

Wie könnte es denn sonst sein, dass in religiös-fundamentalistischen Gesellschaftsformen eine junge Frau erst bei der Geburt mit den Tatsachen konfrontiert wird?

Ist es also besser einem Kind falsche Dinge zu lehren, es zu belügen, oder, auch wenn es die Zusammenhänge nicht verstehen kann, es sich von Anfang an mit der ungeschminkten Wahrheit auseinandersetzen und lernen zu lassen? Vielleicht reicht auch einfach ein Verschieben gewisser Themen auf einen besser geeigneten Zeitpunkt, als den Wissensdurst des Menschen mit einer Lüge zu stillen.

Das Weltbild eines Menschen setzt sich aus echtem Wissen, echten Erfahrungen, und Dingen, die er glaubt zu wissen, zusammen – Darstellungen der Welt, die ihm gelehrt wurden. Diese Grundlagen schaffen das Verständnis für alle späteren Sachverhalte, Probleme und Lösungen und damit die Weltanschauung des Heranwachsenden. Es kann also eigentlich nicht im gesellschaftlichen Interesse sein, die Basis für dieses Weltbild eine Unwahrheit sein zu lassen.

In dieser Phase des Lernens und Gelehrtwerdens ist der Mensch sehr verletzlich. Seine Neugier treibt ihn an, alles zu hinterfragen, das Bedürfnis die Welt zu verstehen ist riesig. Wenn er in diesem Abschnitt seines Lebens falsche Informationen bekommt, die er im guten Glauben als wahr einstuft, kann daraus folgen, dass all seine Rückschlüsse, folgende Geschehnisse betreffend, falsch sind. Er kann so intelligent sein und logisch denken wie er will, wenn das Anfangsparadigma nicht korrekt ist, kann ihn dies nie zu einer richtigen Schlussfolgerung bringen.

Unsere Erziehung ist ein Produkt des Bildungssystems, das unsere Eltern durchlaufen haben. Ihnen wurden vorgefertigte Antworten gegeben, die als Wahrheit deklariert und auch als solche angenommen wurden. Daher geben sie bereits in unserer Erziehung diese festen Dogmen in dem Glauben weiter, dass die Dinge, die ihnen beigebracht wurden, tatsächliches Wissen sind. Dabei sind es meist nur Sachen, die ihnen gelehrt, also erzählt wurden, aber von ihnen nicht selbst überprüft oder erlebt wurden und auch nicht konnten.

Mit dieser Vorbelastung wird dann das Kind im zarten Alter von in der Regel 6 Jahren eingeschult. Hier geht genau dieser Mechanismus weiter, der Lehrer erzählt und der Schüler glaubt – und beide glauben zu wissen.

Natürlich stimmen viele der Dinge, die uns sowohl von unseren Eltern als auch von unseren Lehrern gelehrt werden. Aber viele Sachverhalte, wie zum Beispiel im Fach Geschichte, können nicht mehr verifiziert werden, da nicht einmal die Lehrer unserer Lehrer zu den Zeiten, über die wir gelehrt werden, lebten. Also lehren sie uns bereits ihren Glauben und nicht ihr Wissen, ihre persönlichen Erfahrungen.

Gleiches gilt für den Fachbereich Biologie, in dem uns die Evolutionstheorie als wissenschaftlich belegte Wahrheit gelehrt wird. Die Indizien sprechen dafür, dass sich die Entwicklung der unterschiedlichen Spezies so oder so ähnlich abgespielt haben dürfte, es ist und bleibt jedoch eine Theorie. Also müsste man im Unterricht eigentlich klar gesagt bekommen, dass diese These das ist, woran die Wissenschaft glaubt oder wovon sie ausgeht, es aber auch sein kann, dass es nicht die Wahrheit ist.

Aber unser Bildungssystem scheint grundsätzlich keinerlei Interesse daran zu haben, die Schüler zum Hinterfragen und zum Lernen anzuhalten. Sie werden ausschließlich gelehrt und mit vorgefertigten Antworten und Lösungsansätzen durch die Schulzeit geleitet. Hierunter leidet allerdings das Verständnis. Oftmals ist eine enorme Vorstellungskraft gefordert, um die Zusammenhänge nur im Ansatz verstehen zu können. Selbst in Fächern wie Physik, Biologie oder Chemie, in denen recht einfach Experimente durchgeführt werden könnten, läuft der Unterricht überwiegend in der Theorie ab. Allerdings würden Versuche den Lernprozess deutlich verbessern, Erlebtes bleibt nun mal besser im Gedächtnis als Gehörtes. Auch benötigt es Scheitern, um echte Freude am Erfolg genießen zu können.

Um diese Erfahrungen bringt uns unser Bildungssystem nahezu vollständig. Wir sollen permanent lernen. Dabei ist es gar kein Lernen, kein Erfahrungen-Machen, sondern nur das Auswendiglernen und Glauben von Theorien.

Auch die Medien bedienen sich dieser Möglichkeit der Einflussnahme. Egal ob Nachrichten oder Unterhaltungsindustrie. Durch permanente Wiederholung falscher oder lückenhafter Informationen kreieren sie ein Weltbild für viele Menschen, das ferner von der Wirklichkeit kaum sein könnte. Die Wahl des Wortes „Sicherheitskräfte“ ist ein Euphemismus für das was die Soldaten in fremden Ländern tatsächlich sind – nämlich Besatzer, die oftmals in diesem Land einen Angriffskrieg gegen Teile der indigenen Bevölkerung führen. Ebenso sind laut unseren Medien alle Menschen, die sich gegen diese Besatzer wehren, Terroristen, und alle, die sich auf die Seite des ausländischen Militärs stellen, Freiheitskämpfer.

Dabei, so hat die Geschichte, insofern man dieser überhaupt glauben darf, gezeigt, dass es genau umgekehrt ist. Fremdes Militär war und ist oft genug eine Kolonialisierungsarmee, die, die diesem halfen, waren und sind Verräter und Schlächter, also Terroristen gegen das eigene Volk; und die, die sich wehrten, waren echte Kämpfer für die Freiheit der eigenen Nation.

Aber in den Medien, und später in den Geschichtsbüchern, wird das zur Wahrheit gemacht, was den Besatzer ins rechte Licht rückt, seine Handlungen rechtfertigt und ihn zum Helden stilisiert. Das ist dann der Lernstoff, der nichts weiter als Teil eines Lehrplanes und oftmals eine Lüge ist, den sich die Schüler dann Nächte lang um die Ohren hauen, bis sie glauben etwas zu wissen und dieses Gelehrte dann Teil ihrer Wahrheit ist.

Nur Gelerntes ist wirkliches Wissen, nur der persönliche Versuch macht klug. Ausschließlich Erfahrungen können uns echte Kenntnis bringen. Alles Gelehrte muss hinterfragt und überprüft werden, dass es zur Wahrheit werden kann. So lange es keine hieb- und stichfesten Beweise gibt, sollten wir auch dem Naheliegendsten nicht mehr als den Status einer Theorie zugestehen, auch wenn dies bedeutet, dass wir nicht auf alle Fragen eine Antwort haben.

 

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