WANDERN

Wandern ist nach wie vor eine der beliebtesten Tätigkeiten im Freien. Es erfordert wenig und ist für nahezu jeden machbar. Den Schritt in die Natur kann man auch ohne spezielle Ausrüstung jeden Tag aufs Neue machen.

Ob man sich nur rund um seinen Wohnsitz bewegt, oder sich Wunschziele setzt, ob man nur stundenweise ins Grüne geht oder sich für Mehrtages-Touren entscheidet bleibt jedem selbst überlassen.

Natürlich kann man sich mit High-Tech Ausrüstung eindecken, und dies ist auf Mehrtages-Touren oder im Gebirge auf Grund des Gewichtspar-Potentials auch empfehlenswert, aber je nach körperlicher Fitness nicht unbedingt notwendig.

Wandern hat viele Vorteile:

Man braucht nicht viel, es ist erstmal umsonst, man kommt an die frische Luft, man begegnet Menschen, man kann je nach Fitness und Kondition des Einzelnen Routen wählen, der Verschleiß benötigter Gegenstände hält sich in Grenzen, man bekommt einen anderen Blick auf die Welt und sieht Flecken, die mit dem Auto nicht zu erreichen sind, und es macht einfach Spaß. Anstrengung wird immer mit einem Ausblick oder einfach nur dem Gefühl, etwas erreicht (im wahrsten Sinne des Wortes) zu haben, belohnt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Tätigkeiten im Freien fallen beim Wandern die extreme Fokussierung und die Geschwindigkeit weg, also genau das richtige, um die Umwelt auf sich wirken zu lassen, zu entschleunigen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Wer viel draußen ist und keinen Lärm macht, hat manchmal das Glück, scheue Tiere sehr nahe erleben zu dürfen. Auch fallen einem hin und wieder die ein oder andere seltene Pflanze ins Auge oder man findet sogar die benötigten Zutaten für ein leckeres und gesundes Abendessen, wie wir zum Beispiel beim letzten Gang ins Freie über ein riesiges Feld Bärlauch gestolpert sind.

Wir haben es bisher meistens recht ruhig angehen lassen, obwohl wir auch schon den ein oder anderen Gewaltmarsch vollzogen haben. Meist nehmen wir in unseren Rucksäcken bei dementsprechendem Wetter einen Regenponcho, eine dünne Daunenjacke, was zu Essen, Kaffee, Wasser und einen Holzkocher mit, um eine nette Pause einlegen zu können. Ein Messer und eine Taschenlampe gehört so oder so zu meinen EDCs (Every Day Carry), habe ich also immer dabei. Da ich Raucher bin und mich nach dem Motto „Nimm nichts mit außer Erinnerungen und hinterlasse nichts außer Fußabdrücke“ verhalten möchte, habe ich einen kleinen Reiseaschenbecher in einem Schultergurt verstaut.

Ausrüstung

Meine Freundin läuft mit Trekkingstöcken; ich derzeit noch nicht, wobei ich gestehen muss, dass ich diese Investition wohl noch tätigen werde. Man läuft aufrechter, schont also den Rücken, bergauf und bergab sind sie tatsächlich eine nicht zu verachtende Hilfe, und wenn man mal einen kleinen Bach durchqueren muss, dienen sie als Stütze und kann sich entweder darüber schwingen oder sie stabilisieren als dritter Punkt auf rutschigen Steinen. Außerdem kann man sie als Gerüst für ein Tarp oder ein kleines Zelt verwenden und spart so Gewicht im Rucksack.

Vernünftige Schuhe sind ein Muss. Ob es nun knöchelhohe Stiefel oder nur Wandersandalen sind, ist witterungsabhängig und Geschmacksache. Für was du dich auch entscheiden solltest, achte darauf, dass die Sohle vernünftigen Halt bietet und dein Fuß nicht im Schuh hin und her rutscht – die Gefahr des Umknickens und einer Folgeverletzung wäre dementsprechend groß. Ein tolles Fußbett erhöht den Tragekomfort und kann Fehlstellungen entgegenwirken.

Wer es so wie wir betreibt, und tatsächlich auch echte Weltenbummler, verzichten auf 500 € Hardshelljacken als Regenschutz. Ich konnte es zuerst auch nicht glauben, aber die Erklärung macht durchaus Sinn. Selbst bei einer Wassersäule von 20.000 mm dringt bei heftigem Regen das Wasser unter den Schultergurten durch, die Belastung an dieser Stelle und am Rücken ist teilweise einfach zu groß. Auch kann die beste Membrane nicht arbeiten, wenn der Rucksack an der anfälligsten Partie des Körpers, dem Rücken, dies nicht zulässt. Ein Regenponcho kann über den Körper und über den Rucksack gelegt werden. Unter dieser Glocke entsteht zwar schneller Kondens und Hitze, aber den Poncho einmal kurz gelüftet und die frische Luft macht das Klima wieder erträglich. Bei einer Hardshelljacke brauch ich für den Rucksack zusätzlich in der Regel eine Regenhülle. Ein leichter Regenponcho aus zum Beispiel silikoniertem Nylon wiegt um die 100 gr. – gerade doppelt soviel wie eine gute Regnhülle. Der Punkt fürs Gewicht geht an den Poncho. Eine leichte Daunenjacke würde ich so oder so benötigen, unsere hat eine Windstopper-Funktion und damit fällt die Notwendigkeit einer teuren Hardshelljacke auch weg. Einzig in sehr kaltem Klima mit Schnee und Wind und sportlicher Fortbewegungsweise kann eine gute Hardshell ihre volle Stärke ausspielen und sollte dann auch zur Standardausrüstung zählen. Der Durchschnittswanderer legt die 500 € besser in vernünftigem Zubehör an oder gönnt sich eine Reise zu einem seiner Traumziele.

Wer schlechtes Wetter nicht scheut, sollte eine Investition in eine gute Wanderhose in Erwägung ziehen. Wer einmal in einer richtig nassen Jeans gewandert ist, weiß sofort warum. Der Stoff klebt auf der Haut und durch die mangelnde Elastizität schränkt die Jeans die Bewegungsfreiheit enorm ein und macht jeden Schritt zur Qual. Außerdem brauch sie ewig, bis sie trocken ist. Im direkten Vergleich ist eine Jeans in der Regel auch richtig schwer. Wanderhosen haben meist einen speziellen Schnitt, teilweise sogar speziell platzierte Nähte, um mehr Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Oft sind sie aus Kunstfaser mit einem Anteil an Elasthan, dadurch schnelltrocknend und auch bei der Aktivität bequem und nicht einengend.

Es gibt sie mit Windstopperfunktion oder auch einer Wassersäule. Jeder dürfte bei seinem Sportausrüster fündig werden. Form und Funktion bedingen sich gegenseitig, ein Besuch beim Händler deines Vertrauens ist unausweichlich, um eine gute Passform mit der gewünschten Performance in einem Teil zu finden.

Dem Alltag entfliehen, alte Dinge wieder neu entdecken, sich körperlich betätigen und sich selbst spüren – vielleicht auch mal an seine Grenzen gehen.

Diese Erfahrungen beginnen auf der anderen Seite deiner Haustür.

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