ZUKUNFT

Unser Miteinander ist grundsätzlich nur drei Hauptthemen unterworfen. Alle anderen Themen sind Untergruppen der Bereiche Ökologie (wie wir mit der Natur umgehen), Ökonomie (wie wir mit den Ressourcen umgehen) und Sozialwesen (wie wir miteinander umgehen).

Obwohl diese in der Bildung oftmals, teilweise sogar recht strikt, voneinander abgegrenzt werden, stehen sie in direktem und untrennbarem Zusammenhang.

Die Natur (Ökologie) stellt uns unsere Lebensvoraussetzungen zur Verfügung, die Wirtschaft (Ökonomie) steht stellvertretend für die Nutzung und Verarbeitung dieser Rohstoffe. Die Aufgabe des gesellschaftlichen Zusammenlebens (Sozialwesen) sollte eine gleichmäßige und gerechte Verteilung dieser Produkte regeln und ein faires Miteinander gewährleisten.

Für eine bessere Zukunft sollten und müssen wir diese Kernbereiche gesamtheitlich und auf lange Sicht organisieren. Eine getrennte Betrachtungsweise ist zu vermeiden und weder sinnvoll noch nachhaltig.

Zuerst müssen wir aber die Fehler des jetzigen Systems erkennen und analysieren.

Im Bereich Ökologie sind die Fehler offensichtlich. Ein weiter voranschreitender maßloser Raubbau an der Natur kann nicht in unserem Sinne sein. Auch hat bisher jeder drastische Eingriff in die Natur, wie zum Beispiel Flussbegradigungen, Monokulturen und künstliche Stauseen, nachhaltige Konsequenzen gehabt, die dramatische Auswirkungen auf das restliche Ökosystem nahmen. Auch daraus resultierende Katastrophen für den Menschen waren bereits oft genug die Folge. Wir dürfen nicht glauben, dass wir die Konsequenzen unseres Eingriffs in das natürliche System nur im Ansatz vorhersehen können, wenn wir dieses nicht gesamtheitlich verstanden haben. Und die weltweiten Verflechtungen werden wir wohl nie in ihrer Gänze umreißen können.

Die Natur ist gut wie sie ist. Der Versuch, sie uns Untertan zu machen, sollte nur in homöopathischen Dosen erfolgen, die wir auch jederzeit wieder rückgängig machen können. Die Folgen unseres bisherigen Handelns sollten als Mahnmal und als Warnung gesehen und verstanden werden.

In der Ökonomie haben wir bereits nahezu alle Fehler gemacht, die man überhaupt machen kann. Weder gehen wir nachhaltig mit den Ressourcen um, noch nutzen wir diese, um einen weltweit ausgeglichenen fairen Lebensstandard zu schaffen.

Wie wir die Wirtschaft gestalten, nimmt maßgeblichen Einfluss auf unsere Beziehung zur Natur und uns untereinander. Daher ist sie der Hauptgrund für unsere Probleme.

Wenn wir die Ressourcen nicht gleichmäßig und fair verteilen, führt dies zu Ungleichgewichten und erzeugt so Neid und auch Hass der Ärmeren auf die wohlhabenderen Nationen. Unterschiedliche Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialstandards sind die Folge, welche die Konflikte zwischen den Menschen untereinander anfachen.

Die einschneidenden Eingriffe in die Natur und die ungerechte Verteilung sind der Preis, den wir für eine optimierte Wirtschaft bereit waren zu zahlen.

Die soziale Ungerechtigkeit, Armut und Reichtum, Krieg und Frieden stehen in direktem Zusammenhang mit unserem Wirtschaftssystem.

Also müssen wir für die Zukunft besonderes Augenmerk auf die Wirtschaft legen, da wir nicht ohne sie auskommen, sie aber hauptverantwortlich für ökologische und soziale Krisen ist. Sie ist der Würgegriff, in dem sich unser Planet mit all seinen Bewohnern derzeit befindet.

Wirtschaft ist die Summe aller Betriebsstätten, die mit der Herstellung und Verteilung von Waren und der Bereitstellung von Dienstleistungen zu tun haben. Der Markt ist der Platz, an dem Konsumgüter und Dienstleistungen ausgetauscht werden.

Um unterschiedlichen Anbietern einen fairen Austausch zu ermöglichen, bedarf es eines unabhängigen Zahlungsmittels.

Die zentrale Aufgabe einer Wirtschaft ist es, alle überlebensnotwendigen Dinge wie Wasser, Nahrung, Energie und Wohnraum in ausreichendem Maße bereit zu stellen. Ein Sozialwesen sollte dafür verantwortlich sein, allen Menschen diese Dinge in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen. Wenn diese Grundbedürfnisse gestillt sind, können weitere Güter und Dienste angeboten werden, natürlich mit Respekt auf die Natur.

An diesem Punkt müssen wir das Wort „verbrauchen“ definieren: Solange mein Fernseher läuft, ist er nicht verbraucht. Solange noch ein Stück Brot übrig ist, wurde es nicht verbraucht. Verbrauch bedeutet eine Nutzung, bis kein weiterer Gebrauch mehr möglich ist. An diesem Punkt ist auch explizit der Begriff der „geplanten Obsoleszens“ anzuführen, dem bewusst herbeigeführten vorzeitigen Verbrauch.

Die Wirtschaft produziert so viele Dinge, dass wir sie gar nicht verbrauchen können. Die Regale biegen sich unter der Last der Waren, die Automobilindustrie produziert so viele Fahrzeuge, dass die Überproduktion auf entlegenen Plätzen abgestellt wird.

Können wir in Anbetracht dieser Situation von einer Wirtschaftskrise sprechen? Oder ist die Tatsache, dass wir so viel produzieren, dass wir es wegwerfen müssen und die Industrie auf Tricks wie vorzeitige Alterung zurückgreift, eine Krise für die Wirtschaft, eine Krise für die Eigner und Aktionäre? Ist dieses Verhalten ressourcenbasiert oder gar –schonend? Warum steht nicht allen ausreichend Nahrung etc. zur Verfügung, wenn es sich die Produzenten leisten können, Dinge im großen Stil weg zu werfen und sie damit den Bedürftigen vorenthalten?

Das Problem ist also nicht unsere Wirtschaftsleistung; das Problem ist die Art und Weise, wie Wirtschaft gemacht wird: Weder ökologisch noch sozial.

Hierzu gibt es einen interessanten Begriff aus den Wirtschaftswissenschaften, die Informations-Asymmetrie. Diese beschreibt den Zustand, in dem unterschiedliches Wissen der Partner über eine Marktsituation unterschiedliche Auswirkungen zur Folge haben.

Beispiel:

Händler A bietet ein Produkt zu einem Preis X an. Da Händler B nichts von der Existenz von Händler A weiß, kann ich das Produkt an Händler B zu einem Preis X+Y verkaufen.

Wenn Händler B von Händler A erfährt, bin ich als Zwischenhändler auf dem Markt überflüssig geworden.

Im heutigen Wirtschaftssystem ist diese Informationsasymmetrie ein wünschenswerter Zustand, da man so zusätzliche Stellen schaffen und höhere Preise verlangen kann. Auch firmeneigenes Wissen wird gehütet wie ein Augapfel, da sich damit Geld verdienen lässt.

Für einen Außenstehenden wirkt dies einerseits wie Betrug und andererseits wie eine Behinderung des Fortschrittes. Und genau das ist es auch.

Versuchen wir uns vorzustellen wie eine Wirtschaft aussehen würde, wenn alle den Zugriff auf den besten Preis hätten und die produzierenden Betriebe Hand in Hand an der Verbesserung von Produkten arbeiten würden. Dieses kumulierte Wissen würde einen Quantensprung nach sich ziehen. Neue Denkansätze und neue Technologien würden uns innerhalb kürzester Zeit um viele Jahre nach vorne bringen. Der Zugriff auf den günstigsten Preis für alle würde zusätzlich kleine und innovative Firmen in diesen Entwicklungssprung mit einbeziehen, die mit der Konkurrenz normalerweise nicht Schritt halten könnten.

Das primäre Ziel wäre es, energieärmere und nachhaltige Systeme der Produktionsumstände für Nahrung, sauberes Wasser und Wohnraum zu schaffen. Durch die weltweite Vernetzung und einen freien Zugang zu diesem Wissen würden besonders ärmere Länder mit geringem Bildungsstand sofort profitieren. Ein weiterer Vorteil wäre ein sofortiger Rückgang der momentan benötigten Arbeitszeiten. Nur die Besten würden überleben und nicht die Billigsten. Regionale Stärken würden im friedlichen Austausch zu einem friedlicheren Miteinander führen. Auch würde eine Regionalwirtschaft ökologisches Fehlverhalten dem Verursacher sofort aufzeigen und ihn umgehend abstrafen. Wenn jeder in regelmäßigen Abständen auch für die miesen Arbeiten eingesetzt werden würde, würde ein größeres Bewusstsein geschaffen und damit im Interesse eines jeden selbst vermeidbarem Müll, Graffitis und sonstigen mutwilligen Beschädigungen entgegen gewirkt werden. Der Mensch scheint mit seinem Fehlverhalten leider erst konfrontiert werden zu müssen, um dessen Auswirkungen zu verstehen. Außerdem wäre das Bedürfnis groß, für genau diese Arbeiten mechanisierten und automatisierten Ersatz zu finden. Die Menschen könnten sich dann den entweder angenehmeren oder größeren Dingen widmen.

Es gäbe kein Geld mehr im klassischen Sinne, sondern ein Zeitkonto. So würde jeder seinen Job nach seinen Vorlieben und Fähigkeiten und nicht nach dem Einkommen wählen. Wer reich werden will, muss dann eben mehr arbeiten als jemand, der nur das Nötigste brauch.

Da jeder seine Fähigkeiten nutzen würde, wäre eine klare Abgrenzung des Sozialwesens von der Wirtschaft unnötig. Die Infrastruktur wie Altenheime, Kindergärten und Krankenhäuser wären Eigentum der Allgemeinheit und deren guter Zustand im allgemeinen Interesse. Auch würden nur die besten Ärzte, Pfleger und Kindergärtner bestehen.

Es wäre im Sinne der Gesellschaft, Behinderte, Arbeitslose und auch ältere Menschen nach ihren individuellen Fähig- und Möglichkeiten in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies würde auch für soziale Kontakte zu einem besseren Miteinander und Verständnis führen.

Es gibt Modelle, denen eine 3 (!) Stunden Woche zu Grunde liegt, und die unseren Lebensstandard halten würden.

Ganz so optimistisch bin ich nicht, aber ein 3 Stunden Tag hört sich doch auch schon recht gut an. Diese Modelle rechnen allerdings nicht mit einer auf Export ausgelegten Wirtschaft, und das ist gut so.

Ich wohne in einem Ort mit ca. 15.000 Einwohnern. Bei einer 15 Stunden Woche kämen wir auf gerundet 1.000.000 Arbeitsstunden pro Monat. Dies sollte bei guter Organisation, Berücksichtigung der Jahreszeiten und bestmöglicher Nutzung der individuellen Fertigkeiten ausreichen, diesen Ort in Schuss zu halten und Nahrung, Wasser, Wohnraum und weitere Grundversorgung für alle zu gewährleisten. Es würde auch ein enormer Wetteifer entstehen, gewisse Tätigkeiten durch Automatisierung überflüssig zu machen, was wieder mehr Freizeit für den Einzelnen bedeuten würde. Die Überproduktion würde als Tauschmittel mit anderen Regionalmärkten genutzt werden können, aber Autarkie wäre das höchste zu erreichende Ziel.

Wie man sehen kann, sind die Regeln der Natur klar. Wir kommen nicht ohne sie aus. Also steht ein respektvoller Umgang mit ihr an erster Stelle. Dann folgt das Hauptproblem, die Wirtschaft. Diese muss regional, ressourcenbasiert und fair sein. Berufe, die nichts mit der Realwirtschaft zu tun haben, müssen verschwinden. Wenn das Ergebnis der Wirtschaft gerecht verteilt wird, nämlich nach Arbeitsleistung, wird es bis auf persönliche Konflikte kaum mehr Probleme im Sozialwesen geben.

Wir leben nicht nur in einer Konsumgesellschaft, es ist eine Überflussgesellschaft. Während an anderen Flecken der Erde Menschen verhungern und verdursten, obwohl genug für alle da wäre, werfen wir unsere Überproduktion weg und halten damit die Spirale am Laufen.

Es sollte in unserem Interesse liegen, das 3-Säulen-Modell zu dem zu machen was es ursprünglich sein sollte: ein gesamtheitliches, ökologisches Gesellschaftssystem, in dem die Wirtschaft Rücksicht auf die Natur nimmt und der Gesellschaft dient – nachhaltig, für eine bessere Zukunft.

Schreibe einen Kommentar